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Rückblick auf die Gedenkfeier 2025

Die Verfolgten als Individuen

Rund 60 Personen nahmen in diesem Jahr an der Gedenkfeier in Herzogsägmühle teil, die in zwei Teile gegliedert war: ein feierliches Gedenken am Denkmal sowie ein anschließender Austausch zur Erinnerungsarbeit in der Deckerhalle.

 

Im ersten Teil der Gedenkfeier stand das individuelle Erinnern im Vordergrund – ganz im Sinne des Fokus der diesjährigen Veranstaltung, der Verfolgten als Individuen zu gedenken.
Gemeinsam wurde an die Schicksale von Ferdinand Elmer, Maria Spitzauer und Johann Scheithauer erinnert. Die Biografien wurden als Teil einer partizipativen Lesung am Denkmal vorgetragen. Durch die persönliche Annäherung der jeweils Vortragenden – einem Angehörigen, Jugendlichen der Konfirmationsgruppe der evangelisch-lutherischen Gemeinde Peiting-Herzogsägmühle sowie einem Auszubildenden aus Herzogsägmühle – an die Biografien wurde spürbar, wie individuell Leid und Verfolgung waren und welche Geschichten sich hinter den Namen verbergen.
In darauffolgenden Fürbitten baten Jugendliche der Konfirmationsgruppe und des Jugendzentrums Schongau um Frieden, Gerechtigkeit, Mitmenschlichkeit und Schutz vor Krankheit und formulierten zugleich klare Bitten für eine Welt ohne Rassismus, Krieg und Ausbeutung. Auch erinnerten sie an die Opfer von Gewalt und riefen zu einer solidarischen, friedlichen Gemeinschaft auf.

Besonders nachhaltig wirkte der Beitrag von Lutz Schmidt, Bewohner Herzogsägmühles und Vorstand des Vereins wohnungsloser Menschen e.V. In seiner Rede erinnerte er daran, dass Ausgrenzung oft mit Worten beginne: “Mit Worten wie 'asozial‘, ‘selbst schuld‘ oder ’arbeitsscheu‘. Solche Worte verletzen. Und auch heute werden Menschen, die arm sind oder keine Wohnung haben, oft so behandelt, als wären sie weniger wert.“ Er machte deutlich, dass der Gedenktag nicht nur der Vergangenheit gilt, sondern auch ein Appell für die Gegenwart ist: ”Dieser Gedenktag erinnert uns daran, dass niemand vergessen werden darf. Dass jedes Leben zählt. Und dass jeder Mensch das Recht auf ein Zuhause und auf Würde hat.“

Im zweiten Teil der Gedenkfeier wurde die Deckerhalle zum Ort des Dialogs.
Dort wurde ein Kunstprojekt präsentiert, dass als Idee beim Arbeitstreffen 2024 entstanden ist und nun in Zusammenarbeit mit der Holzwerkstatt der Werkstatt für behinderte Menschen in Herzogsägmühle realisiert wurde. Anschließend folgten ein Beitrag des Verbands für das Erinnern an die verleugneten Opfer des Nationalsozialismus e.V. (Vevon), der von seinem politischen Engagement für die Anerkennung dieser Verfolgtengruppe berichtete. 
Musikalisch begleitet wurde das Gedenken erneut von der Musikgruppe Latterbach, deren Gitarrengruppe aus Klientinnen und Klienten aus Herzogsägmühle besteht. Ihr Beitrag hat die Gedenkfeier auf besondere Weise bereichert.

Der Abend klang bei Getränken und einem kleinen Imbiss aus: Mit offenen Gesprächen, neuen Kontakten und vielen Gedanken, die die Besucher*innen mit nach Hause nahmen.
 

Bildergalerie zur Gedenkfeier am 19. November 2025